Belgien, Kinderdijk und zurück - 1100km in 3 Tagen

-Tag 1-

Auch dieses Jahr konnte ich wieder etwas Resturlaub und Überstunden dazu nutzen ein paar Tage ausschließlich der Fotografie zu widmen. Nachdem ich wetterbedingt meinen Trip kurzfristig verschieben musste klappte es dann zwei Wochen später doch noch. Mein Ziel waren die Windmühlen von Kinderdijk in den Niederlanden sowie die Hoegne in Belgien. Beides hervorragende, wenn auch extrem unterschiedliche Spots für Landschaftsfotografie.

Am 28.11. machte ich mich morgens um 9:00 Uhr auf den Weg - da der Wetterbericht für Kinderdijk erst am nächsten Tag vielversprechend aussah wählte ich Belgien als erstes Ziel. Etwas Regen oder Nebel wären für die Bachfotografie sogar von Vorteil.

Die 300km durch die herbstliche Pfalz waren sehr angenehm zu fahren. Die bunte Landschaft im leichten Nebel steigerte meine Vorfreude auf die Fototour noch mehr. In Beglien angekommen führte ein extrem holpriger Weg im Ort Hockai zum Parkplatz an der Hoegne. Dies erinnerte mich mal wieder daran dass mein nächstes Auto wohl eher kein Sportfahrwerk mehr haben sollte…

Den Einstiegspunkt in Hockai konnte man in einigen Berichten zur Hoegne finden, daher entschied auch ich mich hier zu starten. Die Alternative in Solwaster werde ich vielleicht beim nächsten Mal anfahren.

Auf dem Parkplatz dann eine Überraschung - ich traf Markus Lenzen, dessen Seite ich bei Facebook schon länger abonniert hatte. Es ist immer sehr angenehm wenn man Leute auch mal persönlich trifft. So gingen wir gemeinsam los an den Bach.

thumb Tom 141018 5827klein 

 

Tom_151028_9086.jpg 

 

Die schiere Anzahl an Motiven hat mich erstmal erschlagen. In diesem Bach gibt es so viele tolle Stellen, überall schäumt es, das durch Torf bräunlich gefärbte Wasser bildet einen Wahnsinns Kontrast zum Herbstlaub. Man weiß nicht wo man anfangen soll… Also einfach mal beim ersten Strudel stehen bleiben und beobachten. Die ersten Bilder landen auf der Speicherkarte und man findet sich langsam rein. Dennoch war ich am frühen Nachmittag schon froh dass ich am nächsten Morgen hier weitermachen kann, denn Motive gab es mehr als genug. 

Tom_151028_9055-2.jpg 

 

Tom_151028_9093.jpg 

 

Es war etwas bewölkt, von Regen oder Nebel war aber keine Spur zu sehen. Damit muss und kann man aber gut leben, das Wasser, die Felsen und vor allem die vielen kleinen Strudel bieten jede Menge Möglichkeiten, auch ohne perfektes Licht. Markus und ich versuchten uns an verschiedenen Stellen, trennten uns aber auch desöfteren wenn ein Spot nicht mehrere Fotografen zuließ. Wir schafften es auch beide an nahezu der selben Stelle Wasser in die Gummistiefel laufen zu lassen. Nicht sonderlich angenehm, bei den milden Temperaturen aber auch kein wirkliches Problem. Zumal die Menge an Wasser sehr überschaubar blieb. Dennoch bleibt für mich als Notiz: Unbedingt höhere Gummistiefel besorgen!

Tom_151028_9104.jpg 

 

Tom_151028_9145.jpg 

 

Abends fing es dann doch noch leicht zu nieseln an, leider aber etwas zu spät, das Licht war schon nahezu verschwunden. Ich entschied mich, zum Auto zurückzukehren.

Tom_151028_9150.jpg 

 

Tom_151028_9156.jpg 

 

-Tag 2-

Die Nacht im Auto auf dem Parkplatz zu verbringen war im Nachhinein betrachtet nicht wirklich die beste Idee - denn auf dem Parkplatz war jede Menge los. Hier wurde nachts Müll abgeladen, eine Nachtwanderung durchgeführt und ab und an kamen auch Jogger und Reiter vorbei. Letztlich war ich dann doch ganz froh als um 6:00 Uhr der Wecker klingelte und es langsam hell wurde.

Ich verbrachte den Morgen ab der blauen Stunde bis 09:00 Uhr noch an der Hoegne und nahm dadurch noch das beste Licht mit. Es war auch nicht so windig wie am Vortag, was dem Schärfeeindruck der Bilder sehr gut tut. Ich hätte gut und gerne noch zwei weitere Tage dort verbringen können, aber ich wollte ja noch zu den Windmühlen. Also ging es gegen 9:30 Uhr los in Richtung Holland.

Tom_151029_9200.jpg 

 

Tom_151029_9227.jpg 

 

Für alle die mal von Belgien aus nach Holland fahren wollen: Vermeidet es, über Antwerpen zu fahren! Der Verkehr vor Antwerpen ist der Wahnsinn, man steht dort permanent im Stau. Definitiv kein Spaß… Dennoch konnte ich die 250km in knapp 3 1/2 Stunden hinter mich bringen - inklusive Pause bei McDonalds. Die war auch wichtig, denn mein Datenroaming hatte in Belgien nicht funktioniert. Wenn man das öfter nutzt weiß man wohl auch dass jeder Provider Partnerprovider im jeweiligen Land hat - die sollte man dann auch nutzen, dann funktioniert auch das Datenroaming. McDonalds bietet zuverlässig kostenloses WLAN an, so konnte ich die Daten in Erfahrung bringen und das beheben…

In Kinderdijk angekommen war das auch dringend nötig, denn das “Hotel Kinderdijk” hat leider geschlossen, scheinbar wird es renoviert. Ein anderes Hotel habe ich beim Durchfahren des Orts nicht gesehen, von daher musste mir Google-Maps weiterhelfen. Ich bin dann letztlich im wenige Minuten entfernten Hotel “HET WAPEN van ALBLASSERDAM” untergekommen. Die Übernachtung kostete ohne Frühstück 72 Euro, das Zimmer war einigermaßen in Ordnung. Geschlafen habe ich jedenfalls gut.

Doch zurück zum ersten Besuch der Windmühlen. Beruhigt, ein Hotelzimmer zu haben, fuhr ich an den zuvor recherchierten, sehr nah an den Windmühlen gelegenen Parkplatz. Leider musste ich dort feststellen dass wohl alle, die den Parkplatz empfahlen, sich über das Durchfahrtsverbot für Autos hinweggesetzt haben, denn die Zufahrt ist dort nicht erlaubt. Also ging es doch weiter an den offiziellen, 5 Euro teuren Parkplatz. Dafür gibt es dort dann sogar Toiletten und einen Gutschein für einen Kaffee - leider muss man dann aber ca. 1km laufen um an die Windmühlen zu gelangen.

Ich schaute mir bei bewölktem Himmel die einzelnen Spots an und machte die ersten Bilder - die fünf Windmühlen in Reihe findet man ja recht leicht, auch die anderen Perspektiven sind aufgrund des hohen Schilfs und der angelegten Wege quasi vorgegeben. Richtig kreative Leute können da vielleicht noch mehr rausholen, mir gelangen nur die Standard-Ansichten. Zudem gibt es extrem viele Besucher, Aufnahmen auf der Brücke waren durch die Schwingungen nur sehr selten machbar.

Das Licht wurde auch zum Sonnenuntergang nicht wirklich gut, dafür wurde es extrem kalt. Der Wind macht sich in der doch recht offenen Landschaft deutlich bemerkbar. Also machte ich mich auf den Heimweg und hoffte auf besseres Licht am frühen Morgen.

Tom_151029_9288.jpg 

 

-Tag 3-

Um 5 Uhr klingelte der Wecker, Blick aus dem Fenster: Sternenklarer Himmel. Perfekt, schnell alles zusammengepackt und losgefahren. Ich überlegte kurz ob ich es riskiere in Holland einen Strafzettel zu bekommen und entschied mich dann doch wieder für den offiziellen Parkplatz :-)

Nach einigen wenigen Langzeitbelichtungen bei Nacht dämmerte es dann auch schon leicht und so langsam wurde das Licht richtig gut.

Tom_151030_9337.jpg 

 

Tom_151030_9376.jpg 

Ich wechselte mehrfach den Standort, machte auch mal für einen niederländischen Foto-Kollegen den Top-Spot der 5 in Reihe stehenden Windmühlen frei und genoss den Sonnenaufgang. Die Farbenvielfalt an diesem morgen war der Wahnsinn und die Zeit verflog. Letztlich kamen einige tolle Fotos raus, der Morgen hatte sich definitiv gelohnt.

Tom_151030_9385.jpg 

 

Tom_151030_9404.jpg 

 

Tom_151030_9408.jpg 

 

Viele Einheimische nutzen das Gebiet auf unterschiedliche Weise: von Joggern, Spaziergängern mit Hunden über einen Jäger bis hin zu Kindern auf dem Weg zur Schule war alles vertreten. Man musste also schon darauf achten niemandem im Bild zu haben.

Tom_151030_9415.jpg 

 

Tom_151030_9419.jpg 

 

Tom_151030_9488.jpg 

 

Tom_151030_9494.jpg 

  

Tom_151030_9511.jpg 

 

Tom_151030_9515.jpg 

Gegen 8:30 Uhr machte ich mich auf den Rückweg. Komischerweise musste ich trotz mittlerweile anwesendem Personal für den Parkplatz nichts bezahlen. Vielleicht half hier, dass mein Parkticket vom Vortag noch auf dem Armaturenbrett lag.
Nach kurzem Checkout im Hotel und einem Tankstop ging es dann gegen 9:30 Uhr in Richtung Heimat - 500km und 4 ½ Stunden später kam ich dann wieder zuhause an.

Fazit: Für die Windmühlen war ein Abend und ein Morgen völlig ausreichend, aber für die Hoegne hätte ich mir etwas mehr Zeit gewünscht. Da hier aber nur 300km zu bewältigen sind war das sicher nicht mein letzter Besuch dort :-)